Gemeindeleben Pfarrbrief St. Walburga Overath, Weihnachten 2000

Die Glocken von St. Walburga


Die Josefsglocke
Foto: W. Niggemann

Wie schön wäre es, wenn heute noch das Overather Glockengießerhandwerk vorhanden wäre. Leider sind die hiesigen Glocken, die noch von den Overather Glockengießern stammten, bei dem "Großen Brand" im Jahre 1750 zerstört worden.

Wie öfters mögen die Overather Glockengießer vor dem Guß gebetet haben:

"Allmächtiger Gott, Herr des Himmels und der Erde, die ganze Schöpfung verkündet dein Lob. Sieh auf das Werk unserer Hände und segne dieses flüssige Metall, das für den Guß einer Glocke bestimmt ist. Leite seine feurigen Ströme und schenke unseren Mühen Erfolg. Gib, daß die neue Glocke deinen Namen verherrliche inmitten deiner Gemeinde."

Zum großen Brand schreibt der damalige Pfarrer Kissel, Pfarrer von St. Walburga von 1748 – 1800, in der Pfarrchronik:

Zum traurigen Gedenken: 1750 am 13. August, etwa um die 8. Abendstunde, hat der Donnerblitz in die Spitze des hiesigen Kirchturmes eingeschlagen. Weil keine Hilfe vorhanden, hat das Feuer die ganze Nacht den großen Turmhelm bis auf die Mauern abgebrannt und die vier schönen Glocken der Kirche völlig geschmolzen. Gott sei Dank, daß die Kirche noch steht und im allgemeinen heil geblieben ist!

Bereits 1752 hat die Gemeinde zwei neue Glocken von dem Meister Bartolomäus Gunder zu Cölle gießen lassen. Erst 209 Jahre nach dem Brand -1959 - sind die letzten Schäden beseitigt worden.

Im vorigen Jahrhundert gab die Pfarrgemeinde zweimal Glocken zum Einschmelzen für Kriegszwecke ab, zuletzt am 12. März 1942 die Walburga- und die Quirinusglocke. Gott sei Dank konnte die Walburga-Glocke im Hamburger Glockenfriedhof nach Kriegsende aufgefunden und bereits 1947 wieder im Kirchturm montiert werden. 1948 schenkte die Pfarrgemeinde ihrem Pfarrer Ernst Lichtinghagen die Marienglocke zum 25jährigem Priesterjubiläum. Im gleichen Jahr goß Albert Junker aus Brilon, der auch die Marienglocke gegossen hatte, eine weitere Glocke für unsere Kirche, die St. Josefglocke. Jetzt war unser Geläut vollständig.

Bis 1951 wurden die Glocken von Hand geläutet. Wir Meßdiener mußten das besorgen. Das hieß, in der Woche - die erste Messe war um 6 Uhr - mußten wir um 5.45 Uhr läuten. Es gab aber auch viel Spaß! Bei Beendigung des Läutens ließen wir uns von den Glocken bis unter die Decke hochziehen. Mancheiner hat sich hierbei eine dicke Beule am Kopf eingefangen. Die Josefglocke konnte nur von zwei Erwachsenen geläutet werden.

Seit 1951 besitzen wir für die 5 Glocken im Turm ein elektrisches Läutewerk. Außer den 4 großen Glocken hängt oben im Turm eine kleine Glocke, das "Annaglöckchen". Ursprünglich hing dieses Glöckchen in der Burg "Bernsau", die Ruine liegt zwischen der Fa. Metten und der Autobahnauffahrt in einer vom Wasser umgebenen Baumgruppe. Nach dem Zerfall der Burg kam das Glöckchen zu der Abtei Cyriax und erst nach deren Auflösung zur Pfarrkirche.

Eine weitere kleine Glocke hängt jetzt in der alten Kirche neben dem Eingang zur alten Sakristei. Dieses Glöckchen hing früher in dem kleinen Türmchen bis zu dessen Erneuerung in den 80-er Jahren. Im Volksmund ist es das Totenglöckchen. Früher wußte jeder alte Overather Bescheid: wenn es kläppte, lag jemand im Sterben bzw. war schon tot. Dieses Glöckchen trägt keinen Hinweis, wo es gegossen worden ist und auch keine Jahreszahl.

An hohen Festtagen wurde nach dem Hochamt gebeiert. Hierzu wurden die Glocken festgestellt, und die Klöppel wurden mit Seilen so eingestellt daß sie ca. 5 mm vom Glockenrand abstanden. Durch Schlagen auf die Seile schlug der Klöppel an die Glocke an. Zum Beiern gab es zum Teil derbe Sprüche: "Minge Dumen, minge Fenger, minge Ellebooge, alles wat du sähst, dat es jelooge". Nach jedem Spruch wurde einmal die große Glocke angeschlagen. Auch ließ sich "Ihr Kinderlein kommet" (Weihnachten) beiern. Leider sind viele Sprüche verloren gegangen.

Mögen die Glocken weiterhin die Gläubigen mahnen und zum Gottesdienst rufen und uns Freude und Leid verkünden.

Johannes Häger

Unser heutiges Geläut

Name Baujahr Ton Gewicht Durchmesser
Josefglocke 1948 "cis" 36,16 z 1,52
Walburgaglocke 1752 "e" 22,18 z 1,23
Marienglocke 1948 "fis" 14,86 z 1,11
Cyriakusglocke 1922 "gis" 9,21 z 0,93
Annaglöckchen 1541 "a" 1,08 z 0,45

Quelle: Pfarrarchiv 900 Jahre Overath Neuer Kölnischer Sprachschatz 1978 (Professor Dr. Adam Wrede)


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