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Lesung der Kreativen Schreibwerkstatt

Kultur im Walburga Haus

13. November 1998

Unsere Schreibgruppe stellt sich vor

  

Schon am Morgen, als ich die Augen öffne, durchzieht ein Kribbeln meinen Bauch. Ach, ja - heute abend ist es soweit!

Sobald die Familie außer Hause ist, stehe ich vor dem Spiegel und erprobe meine Stimme. In meinem Ohr klingt es: Laut, langsam und gut artikuliert lesen! Mit jedem Vortrag wird meine Stimme fester, lauter, sogar ein wenig übermütig. Ein warmes Gefühl der Sicherheit durchfließt mich. Je näherjedoch der Abend rückt, desto unruhiger werde ich. Johanniskrauttee soll Wunder wirken!

Mit der Zeit treffen alle Teilnehmerinnen unserer Schreibgruppe im Walburgahaus ein. Geschäftiges Treiben läßt die eigene Nervosität vergessen. Warmes Kerzenlicht von Weinlaub umgeben auf jedem Tisch.

Bei der Generalprobe heißt es erneut: Langsamer - lauter - die Endungen nicht verschlucken! Bis wir die Schuhe, unsere Assoziationsobjekte, auf der Staffelei plaziert haben, dauert eine Ewigkeit. Was soll das bloß werden?

Nach und nach füllt sich der Saal. Eifriges Stühlerücken, erwartungsvolle Blicke. Jetzt fehlt nur noch Frauke, unsere Querflötenspielerin. Die Zeit vergeht. Fünf Minuten - zehn! - die Spannung steigt. Marianne übernimmt die Regie und beginnt ihre einführenden Worte. Herr Poettgen, Leiter der VHS, schließt sich an.

Leise geht die Türe auf - ein Aufatmen - Frauke! Es ist soweit!

Umgeben von einem wohlwollend, aufmerksamen Publikum, aufgefangen in der Gruppe, wächst unsere Sicherheit von Beitrag zu Beitrag. Häuftger Zwischenapplaus schafft eine lockere Atmosphäre und ermutigt uns, immer freier vorzutragen. Die Flötistin -mit dem natürlichem Charme ihrer 14 Jahre - untermalt unsere Texte.

Besinnliche Herbstgedanken, fröhliche Elfchen wechseln mit Mundart und Prosatexten. Die bunte Vielfalt des Programms findet Anklang bei den Zuhörern. Der Tisch mit den Texten zum Nachlesen leert sich und unser Sparschwein braucht nicht zu fasten.

Für Marianne ein Rose von jedem Gruppenmitglied, gemeinsames Aufräumen, und wir alle geh'n mit einem Gefühl der Hochstimmung nach Hause.

Ein gelungener Abend!

 

 

Christa Bühler
13. November 1998

 


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