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Lesung der Kreativen Schreibwerkstatt

Kultur im Walburga Haus

13. November 1998

Schnelle Äpfel

  

Es war am Dienstag. Hans war früher als sonst von der Arbeit nach Hause gekommen. Sie wollten zusammen zum Baumarkt fahren, um einen neuen Teppichboden auszusuchen.

Da Eva nichts mehr haßte als unnötige Autofahrten, hatte sie die Termine dieses Tages gut zusammengelegt. Auf dem Weg zum Baumarkt konnten sie Stephan zum Flötenunterricht bringen und ihn und Robert, dessen Fußballtraining dann zu Ende war, auf dem Rückweg wieder mitnehmen. In der Zwischenzeit konnten sie auch fiir Frau Höller das Rezept beim Arzt abholen, das Medikament in der Apotheke besorgen und die Bücher in die Bibliothek zurückbringen. Die Zeit war knapp.

Alles ging glatt. Hans und Eva waren auf dem Rückweg. Jetzt nur noch die Kinder abholen und ab nach Hause - Abendessen richten, Wäsche fertig bügeln und dann noch zur Damengymnastik.

Siedendheiß fiel Eva ein, daß nicht mehr viel Obst in der Schüssel war. Zum Einkaufen im Supermarkt war es zu spät. Da kam ihr der kleine Obst- und Gemüsestand in der Poststraße in den Sinn. Sie bat Hans, doch schnell dort vorbeizufahren. Zum Glück war am gegenüberliegenden Parkstreifen noch eine Lücke frei.

Hans hielt den Wagen, Eva sprang hinaus und hastete über die Straße. Am Obststand wurde gerade die alte Frau Niemeyer bedient, die sich mit der dicken Verkäuferin angeregt über einen Apfelauflauf unterhielt. Eva trat von einem Bein auf das andere . Während Frau Niemeyer ihre Äpfel wegpackte, wandte sich die Verkäuferin auch schon Eva zu. "6 Cox, 4 Bananen und 4 Birnen". Die Marktfrau wog das Obst ab und packte alles in eine Tüte. Eva zahlte und hastete zurück.

Sie riß die Beifahrertüre auf. ließ sich in den Sitz fall,en und stellte die Tüte zu ihren Füßen ab. Gerade wollte sie Hans ungeduldig bitten, doch endlich loszufahren, als sie ein schallendes Gelächter hörte.

Ihr verständnisloser Blick fiel nicht auf Hans, sondern auf einen wildfremden Mann. Erst jetzt bemerkte sie das holzfarbene Armaturenbrett, das doch bisher immer schwarz gewesen war und der Bezug der Sitze war plötzlich gestreift und nicht mehr kariert.

Der Mann lachte immer noch ganz ungeniert. Wortlos riß Eva die Obsttüte wieder an sich, drückte die Wagentüre auf. stieg aus und schlug die Tür mit unnötig festem Schwung zu.

Hans saß im Nebenauto, gleiches Modell, gleiche Farbe.

 

 

Angelika Grewe
Januar 1998

 


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