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Die Hitze stand vor der Terrassentür und traf mich wie der Atem eines feuerspeienden
Drachen. Das war kein Morgen um im Garten zu frühstücken. In den Mauern des
alten Hauses, besonders in der nach Norden gelegenen Küche herrschte eine angenehme
Temperatur. Es war so kühl, daß sich die feinen, sommerblonden Härchen
auf meinen Armen, Zeichen endloser Sonnentage, schaudernd aufstellten.Lustlos war ich
und sehr allein. Wochen lagen vor mir, an die ich nicht denken mochte. Philipp und
Frank waren heute morgen zu ihrem lange geplanten Amerikatrip aufgebrochen und hatten
mich als die Hüterin des Hauses zurückgelassen. Jeder Tag wird nun dem vorigen
gleichen - viele Wochen lang. Faul werde ich im Liegestuhl liegen, die flirrenden grünen
Schatten suchend, mit Angst vor der Hitze, die nackte Haut so begehrlich macht, Angst
vor der Sonne, die den Verstand dahinschmelzen läßt wie Butter auf braunem
Toast.
Es klingelte. So früh am Morgen - wer konnte das sein? Mir war etwas unheimlich
und ich fühlte mich viel zu spärlich bekleidet um an die Tür zu gehen.
Unfrisiert, barfuß, in enger Radlerhose und knappem Top ging ich zögernd
hinaus, schaute zum Gartentor und drückte auf den Summer. Wünschte ich, ich
wäre nicht gegangen? Hätte so getan, als wäre niemand zu Hause?Darüber
bin ich mir heute nicht im Klaren. Ich stürzte kopfüber in den heißen
Tag - in den ganzen glühenden Sommer mit Torsten S.! Das war besiegelt in der
ersten Minute und ich schwöre, daß ich bis dahin nicht wußte, daß
ich so etwas kann: Genießen ohne jede Reue und - lügen!
Philipp rief jeden zweiten Abend aus Boston an, war besorgt und zärtlich. Frank
bedauerte seine arme Mutter, die so einsam war. Ich nahm alles an, ohne schlechtes
Gewissen. Das schlief tief und fest in diesen heißen Tagen. Ich war die selbstlose
Frau und Mutter, die auf Haus und Hof aufpaßte, während die Herren sich
amüsierten. Nur einmal erwähnte ich kurz und beiläufig, daß ein
Freund von Frank ihn auf der Durchreise besuchen wollte und enttäuscht war, ihn
nicht angetroffen zu haben. Frank hatte gelacht: "Ach der, das ist typisch! Der
meldet sich monatelang nicht, und dann meint er, es ist toll, jemanden einfach so zu
überraschen."
In diesem anstrengenden Sommer nahm ich mindestens zehn Kilo ab. Philipp würde
sich wundern und amüsieren und geschmeichelt sein, daß ich mich so in Sehnsucht
verzehrt hatte. Torsten war jung, unverschämt und unbekümmert. Er riß
mich mit und lachte die wenigen vorhandenen Bedenken hinweg. Hitze und lange Abende
vergingen und der Tag kam immer näher, an dem mein altes Leben wieder beginnen
mußte, als wäre nichts geschehen. Wann setzte mein Verstand wieder ein und
machte mir klar, daß dies ein gefährliches Spiel war? Es mußte ein
Ende haben, ohne daß ich die Verliererin war. Ich begann, mich zurückzunehmen,
und als er nicht begreifen wollte, befiel mich leise Ungeduld. Mit der brennenden Sonne
war die Begehrlichkeit untergegangen wie in einem abendstillen Meer. Was wollte dieser
Fremde in meinem Bett? Mir wurde zunehmend unbehaglicher, weil er einfach nicht gehen
und immer noch einen Tag herausschinden wollte.
Und dann war es geschehen. Eines Tages fiel die Tür hinter ihm zu. Viel Zeit
blieb mir nicht, um mein Gleichgewicht wiederzufinden. Und doch war mir leicht und
frei zumute. In den leeren stillen Zimmern fühlte ich mich endlich wieder zu Hause.
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