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Kühle Tage |
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So still ist es jetzt am Abend. Der aggressive Sommer hat sich fast
unmerklich verabschiedet. Feuchte Kühle, die bitter und würzig nach Herbstfeuern
riecht, nach Pilzen und nassem Laub, steigt mir zu Kopf wie prickelnde Pfirsichbowle.
Die Sterne zur Nacht scheinen unendlich hoch zu stehen, ihr kristallenes Glitzern
irrlichtert durch das trockene, dünn gewordene Blattwerk des Nußbaumes
am Gartentor. Der weiße Kies auf dem Weg leuchtet wie Hänsel und Gretels
Heimwegspur.
Die dringenden Wünsche der heißen Tage sind verstummt. "Das Jahr
geht in Rente", denke ich während ich das Fenster schließe und die
Nacht aussperre. "Jetzt wird es sich viel Zeit nehmen und mit kühnen Farben
seine Gemälde in Feld und Wald stellen. Weintrauben wird es geben und Aprikosen,
Herbstblumen so leuchtend wie keine Pracht des Sommers. Das wird ein langer festlicher
Abschied bis Dunkelheit und Kälte einziehen." Leises Schaudern macht mir
Gänsehaut. Angenehm empfmde ich die Wärme im Zimmer. Ein paar Grad das
Thermostat hochgedreht. Der erste Abend mit Heizung. Ich fiihle eine ungeheure Erleichterung,
daß dieser heiße Sommer vorbei ist. Im warmen Schein meiner bunten Lampe
hüllt mich sanfte Wärme ein wie ein weiches Tuch. Die Hitze dieses Sommers
hätte mich fast verbrannt.
Ich freue mich unbändig auf den stillen, kühlen Herbst, auf lange Abendspaziergänge
in silbrigen Nebelschleiern, auf das Heimkommen an den Kamin, auf fröhliche
Kartenspiele und heißen Tee. Ich freue mich darauf, daß ich meine graue
Lederjacke, die ich so liebe, wieder anziehen kann. Ich freue mich, einen passenden
Pullover da,fiir zu finden - silbergrau mit weißen Streifen? Ich ireue mich...
In dieser Nacht ist mein Bett so warm und weich. Durch das spaltbreit geöfffnete
Fenster dringt feines, fernes Sirren von der Autobahn und der strenge, lebendige
Duft der Herbstastern. Ich trä.ume von einer riesigen Schüssel frischgekochter,
mehliger Spätkartoffeln mit einem großen Klumpen gelber Butter. Sie zerläuft
in dem heißen Dampf, der kringelnde Nebel durch meinen satten Schlaf zieht.
Ende
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Waltraud Rohrmoser
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