Ich bin ein Schuh, nein, das stimmt nicht, wir sind zwei Schuhe, also
ein Paar.
Unnütz sind wir jetzt, einfach abgestellt in die hintersten Ecke
einer Gartenlaube. Ein Glück nur, daB wir ein Paar sind, so können wir
miteinander sprechen.
Ich bin der rechte Schuh, und ich bin so unglücklich. "Weißt
du noch?" fragte ich gestern den linken, "als man uns noch täglich
putzte, wir wurden gebraucht, wir sorgten dafür, daß unser Besitzer warme,
trockene FüBe hatte. Mit uns konnte er alle Arbeiten verrichten, wir waren immer
für ihn da!".
Der linke brummte unwirsch: "Darüber denke ich nicht nach,
ich bin froh, daß ich meine Ruhe habe!"
Plötzlich hörten wir ein Rascheln. Ein Mäuslein stand
vor uns, beäugte erst mich, dann den anderen, verschwand und kam mit einem Mäulchen
voll trockenem Gras wieder, kletterte in mich hinein und begann ein Nest zu bauen.
Es lief sehr oft hin und her, bis es mit seinem Nest zufrieden war.
Ich war starr vor Staunen und wagte nicht mehr zu flüstern. Dann verschwand
das Mäuslein in mir.
Seit heute morgen herrseht reges Leben, das Mäuslein hatte fünf
Kinder in der Nacht bekommen. Nun bin ich überglücklieh.
Ich bin doch nicht so unnützt, Jetzt bin ich eine richtige Wohnung
und sorge für die Mäuslein, daß sie es warm und trocken haben.