am Beispiel der katholischen Pfarrgemeinde
St. Barbara in Steinenbrück
und der evangelischen Kirchengemeinde in Neichen
Die Nummer 1/1972 des Pfarrbriefs der Gemeinde St. Barbara enthält folgende
Notiz:
Sonntag, 19.3.1972
17.00 Ökumenischer Gottesdienst.
Wir freuen uns, daß katholische und evangelische Christen zum ersten Mal in unserer
Gemeinde sich zu Gebet und Betrachtung zusammenfinden und laden alle herzlich ein.
Anlaß hierfür war der Wunsch einiger konfessionsverbindender Ehepaare
(damals wurde noch der Begriff "Mischehe" gebraucht) nach einem gemeinsamen Gottesdienst.
Beide Geistliche, die jetzt im Ruhestand lebenden Pfarrer Johannes Langen
und Dieter John, sowie Pfarrgemeinderat und Presbyterium nahmen die Anregung ohne Zögern
auf, und so wurde in gemeinsamer Planung einer kleinen, gemeinsam besetzten Gruppe der
erste ökumenische Gottesdienst vorbereitet und in der Barbarakirche durchgeführt.
Der zweite fand dann im Advent desselben Jahres statt. Nach seinem großen
Erfolg (die Neichener Kirche war bis auf den letzten Platz gefüllt) beschloß
man, diesen Adventsgottesdienst zur Tradition werden zu lassen. Er findet seitdem jeweils
im Wechsel "auf dem Berg" oder "im Tal" statt.Die Predigt hält
der oder die "Gast-Geistliche.
Filme, Dias, meditative Musik, symbolhafte Handlungen und Gegenstände
wurden genutzt, um den jeweiligen Grundgedanken des Gottesdienstes allen zugänglich
zu machen. Eine schöne Gewohnheit ist es, daß sich nach dem Gottesdienst möglichst
viele der Teilnehmer zu einer Stunde des gemütlichen Gesprächs bei Kaffee und
Gebäck im jeweiligen Pfarrsaal zusammensetzen.
Auf Anregung von Pfarrer Langen fand 1980 der Gottesdienst zum Weltgebetstag
der Frauen am ersten Freitag im März erstmals ökumenisch statt. Auch hier hat
sich eine gute Tradition herausgebildet.
Eine kleine Gruppe von Frauen aus beiden Gemeinden bereitet jährlich
drei Informationsabende zum Thema des Weltgebetstages vor. Dabei wird viel Wissen über
das Land, aus dem die Grundgedanken, Texte und Lieder für das jeweilige Jahr vorgeschlagen
wurden, vermittelt. Falls immer möglich, werden dazu Einheimische oder Landeskenner
einbezogen. Aber auch die spirituelle Grundlage des Gottesdienstes ist Gegenstand der vorbereitenden
Abende, wie Bibelarbeit und Textaufbereitung.
Auch der Weltgebetstag der Frauen wird im Wechsel in den beiden Kirchen durchgeführt,
und das anschließende Beisammensein ist ein wesentlicher Bestandteil des Nachmittags.
Seit mehr als 15 Jahren findet zur Einschulung der Schulneulinge der
Grundschule ein ökumenischer Gottesdienst statt. Er wird von den Geistlichen beider
Konfessionen gehalten, aus praktischen Gründen immer in der Barbarakirche. Das Schuljahrsende
1995 brachte für die Grundschule nun auch einen ökumenischen Abschlußgottesdienst
für die vierten Klassen. So ist ein schöner ökumenischer Rahmen für
den Besuch der Grundschule gegeben.
Daß sogenannte "ökumenische Trauungen", das heißt
Brautgottesdienste unter Assistenz von Geistlichen beider Kirchen, stattfinden, versteht
sich seit geraumer Zeit. Selbstverständlich ist es auch, daß zu besonderen Gemeindefeiern
wie Jubiläen, Einführungs- oder Abschiedsgottesdiensten die jeweils andere Gemeinde
eingeladen wird. Wichtig sind auch die vielen Querverbindungen, die durch Teilnahme an
Veranstaltungen auf "privaten" Entschluß hin geknüpft werden. Berührungsängste
gibt es da nicht, zumal eben auch durch einige konfessionsverbindende Familien ein recht
guter Informationsfluß besteht. |