Plakat des Kreisökumenetages

4. Rheinisch-Bergischer Ökumenetag in Overath

Ökumene vor Ort

Stefan Huber

Kirche St. Barbaraam Beispiel der katholischen Pfarrgemeinde St. Barbara in SteinenbrückFriedenskirche Neichen
und der evangelischen Kirchengemeinde in Neichen

Die Nummer 1/1972 des Pfarrbriefs der Gemeinde St. Barbara enthält folgende Notiz:

Sonntag, 19.3.1972
17.00 Ökumenischer Gottesdienst.
Wir freuen uns, daß katholische und evangelische Christen zum ersten Mal in unserer Gemeinde sich zu Gebet und Betrachtung zusammenfinden und laden alle herzlich ein.

Anlaß hierfür war der Wunsch einiger konfessionsverbindender Ehepaare (damals wurde noch der Begriff "Mischehe" gebraucht) nach einem gemeinsamen Gottesdienst.

Beide Geistliche, die jetzt im Ruhestand lebenden Pfarrer Johannes Langen und Dieter John, sowie Pfarrgemeinderat und Presbyterium nahmen die Anregung ohne Zögern auf, und so wurde in gemeinsamer Planung einer kleinen, gemeinsam besetzten Gruppe der erste ökumenische Gottesdienst vorbereitet und in der Barbarakirche durchgeführt.

Der zweite fand dann im Advent desselben Jahres statt. Nach seinem großen Erfolg (die Neichener Kirche war bis auf den letzten Platz gefüllt) beschloß man, diesen Adventsgottesdienst zur Tradition werden zu lassen. Er findet seitdem jeweils im Wechsel "auf dem Berg" oder "im Tal" statt.Die Predigt hält der oder die "Gast-Geistliche”.

Filme, Dias, meditative Musik, symbolhafte Handlungen und Gegenstände wurden genutzt, um den jeweiligen Grundgedanken des Gottesdienstes allen zugänglich zu machen. Eine schöne Gewohnheit ist es, daß sich nach dem Gottesdienst möglichst viele der Teilnehmer zu einer Stunde des gemütlichen Gesprächs bei Kaffee und Gebäck im jeweiligen Pfarrsaal zusammensetzen.

Auf Anregung von Pfarrer Langen fand 1980 der Gottesdienst zum Weltgebetstag der Frauen am ersten Freitag im März erstmals ökumenisch statt. Auch hier hat sich eine gute Tradition herausgebildet.

Eine kleine Gruppe von Frauen aus beiden Gemeinden bereitet jährlich drei Informationsabende zum Thema des Weltgebetstages vor. Dabei wird viel Wissen über das Land, aus dem die Grundgedanken, Texte und Lieder für das jeweilige Jahr vorgeschlagen wurden, vermittelt. Falls immer möglich, werden dazu Einheimische oder Landeskenner einbezogen. Aber auch die spirituelle Grundlage des Gottesdienstes ist Gegenstand der vorbereitenden Abende, wie Bibelarbeit und Textaufbereitung.

Auch der Weltgebetstag der Frauen wird im Wechsel in den beiden Kirchen durchgeführt, und das anschließende Beisammensein ist ein wesentlicher Bestandteil des Nachmittags.

Seit mehr als 15 Jahren findet zur Einschulung der Schulneulinge der Grundschule ein ökumenischer Gottesdienst statt. Er wird von den Geistlichen beider Konfessionen gehalten, aus praktischen Gründen immer in der Barbarakirche. Das Schuljahrsende 1995 brachte für die Grundschule nun auch einen ökumenischen Abschlußgottesdienst für die vierten Klassen. So ist ein schöner ökumenischer Rahmen für den Besuch der Grundschule gegeben.

Daß sogenannte "ökumenische Trauungen", das heißt Brautgottesdienste unter Assistenz von Geistlichen beider Kirchen, stattfinden, versteht sich seit geraumer Zeit. Selbstverständlich ist es auch, daß zu besonderen Gemeindefeiern wie Jubiläen, Einführungs- oder Abschiedsgottesdiensten die jeweils andere Gemeinde eingeladen wird. Wichtig sind auch die vielen Querverbindungen, die durch Teilnahme an Veranstaltungen auf "privaten" Entschluß hin geknüpft werden. Berührungsängste gibt es da nicht, zumal eben auch durch einige konfessionsverbindende Familien ein recht guter Informationsfluß besteht.


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