Plakat des Kreisökumenetages

4. Rheinisch-Bergischer Ökumenetag in Overath

Neues Vertrauen

Pastor Rony Hermans

Tatsächlich fällt es heute schwerer denn je, eine Wahrheit als absolut und einzigartig zu erfahren

Vor meinem Urlaub sagte mir jemand, er sei im Besitz der allein selig machenden Wahrheit und könnte also eine eindeutige Antwort auf die Frage geben, was eine Religion oder Sekte sei.” Ich dachte... “eben dadurch ist er selber schon ein Sektenfall...”

Dies hat etwas meine Ferienruhe, die mir heilig ist, gestört...immer kam mir die Frage, “ob es denn heute keine absoluten Wahrheiten mehr gebe?” Doch die Frage kann wirklich für geistige Unruhe sorgen. Sie ist sehr zentral und vor allem typisch für unsere Zeit. Tatsächlich fällt es heute schwerer denn je, eine Wahrheit als absolut und einzigartig zu erfahren. Der Grund dafür liegt aber nicht daran, daß die Menschen heute kein oder nur ein reduziertes Wahrheitsbewußtsein hätten.

Er ist mehr darin zu suchen, daß sich die Menschen unserer modern-pluralistischen Welt tagtäglich mit einer Vielzahl unterschiedlichster Wahrheiten, Weltauffassungen und Lebensstilen konfrontiert sehen. Dadurch kann sich eine bestimmte Wahrheit dem Bewußtsein gar nicht mehr als einzigartig und absolut darstellen. Allein die Existenz der anderen Weltanschauungen und Glaubensüberzeugungen stellt sie dauernd in Frage und relativiert sie. Geistige Unruhe ist in einer modernen Gesellschaft also vorprogrammiert. Das heißt nicht, daß ein Individuum nicht mehr von einer Wahrheit überzeugt sein könnte oder dürfte! Es kann lediglich nicht mehr unangefochten davon überzeugt sein. Darauf haben wir uns einzurichten.

Geistige Geruhsamkeit gibt es lediglich noch in der Ferienzeit oder unter der Bedingung, daß wir uns vom Rest der Welt abschotten und nur noch unter Gleichgesinnten verkehren. Damit befänden wir uns aber wieder verdächtig in Sektennähe.

Darum freue ich mich, hier in Overath bei uns und in der evangelischen Kirche ein überdurchschnittliches Engagement in der Jugendarbeit zu sehen. Dabei geht es nicht darum, junge Menschen mit allen Mitteln in die Kirche zu bringen, sondern sie in der heutigen Zeit mehr mit den Fragen über den Wert und den Sinn des Lebens und des Glaubens vertraut zu machen und eine Antwort im Evangelium suchen, die wir dann in unseren Kirchen feiern können.

Gelebtes Vertrauen in Ökumene.


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