Goethe 250 Jahre

Kultur im Walburga Haus

Goethe Abend

Goethe im Dunkeln

 

An einem trüben Dienstagnachmittag im Januar besuchten wir Goethes Wohnhaus in Weimar.Die dunklen Holzdielen knarrten und ein merkwürdiges Gefühl überkam mich als mir bewusst wurde, dass auch der große Meister einst hier gegangen war. Seine Möbel, seine Bilder, seine in Glasvitrinen ausgestellten handschriftlichen Aufzeichnungen

Das spärliche Tageslicht zwang uns, insbesondere den dunklen Gemälden recht nahezutreten. "Bitte nichts berühren", kam eine strenge Stimme aus dem Hintergrund .Niemand von uns hatte oder wollte physischen Kontakt mit den Kostbarkeiten, doch die dezent gekleidete Dame verfolgte uns nun von Zimmer zu Zimmer.

"Schalten Sie doch bitte mehr Licht ein", verlangte mein Mann, "dann kämen wir in den Genuss, die Dinge klarer zu erkennen". "Das ist leider nicht möglich. Alles soll so bleiben wie zu Goethes Zeiten". Mein Blick fiel auf die eingebauten Heizkörper, aber ich sagte nichts. "Deshalb haben wir im Winter nur bis l6 Uhr geöffnet. Da reicht das Tageslicht." "Heute wohl nicht", sagte Karl verärgert und erkundigte sich nach der geeigneten Stelle, um einen Verbesserungsvorschlag zu machen. "Im Foyer befindet sich ein Gästebuch, in das sie Ihr Anliegen gerne eintragen können", kam die knappe Antwort.

Mit deutlich weniger Erfurcht setzten wir unseren Rundgang fort.Wieder im Foyer angekommen, war das Gästebuch leider nicht auffindbar. Die Suche nach einer anderen Möglichkeit, unseren Vorschlag anzubringen, führt uns zum Kummerkasten in der Touristeninformation. Diesen fütterten wir mit einem langen Brief an den Stadtdirektor, das Goethehaus künftig besser auszuleuchten. Ob es was genützt hat, darüber ließ man uns bis heute im Dunkeln. 

 

 

  Angelika Grewe

Mai 1999 

 


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