An einem trüben Dienstagnachmittag im Januar besuchten wir Goethes Wohnhaus
in Weimar.Die dunklen Holzdielen knarrten und ein merkwürdiges Gefühl
überkam mich als mir bewusst wurde, dass auch der große Meister einst
hier gegangen war. Seine Möbel, seine Bilder, seine in Glasvitrinen ausgestellten
handschriftlichen Aufzeichnungen
Das spärliche Tageslicht zwang uns, insbesondere den dunklen Gemälden
recht nahezutreten. "Bitte nichts berühren", kam eine strenge Stimme
aus dem Hintergrund .Niemand von uns hatte oder wollte physischen Kontakt mit den
Kostbarkeiten, doch die dezent gekleidete Dame verfolgte uns nun von Zimmer zu
Zimmer.
"Schalten Sie doch bitte mehr Licht ein", verlangte mein Mann, "dann
kämen wir in den Genuss, die Dinge klarer zu erkennen". "Das ist
leider nicht möglich. Alles soll so bleiben wie zu Goethes Zeiten". Mein
Blick fiel auf die eingebauten Heizkörper, aber ich sagte nichts. "Deshalb
haben wir im Winter nur bis l6 Uhr geöffnet. Da reicht das Tageslicht."
"Heute wohl nicht", sagte Karl verärgert und erkundigte sich nach
der geeigneten Stelle, um einen Verbesserungsvorschlag zu machen. "Im Foyer
befindet sich ein Gästebuch, in das sie Ihr Anliegen gerne eintragen können",
kam die knappe Antwort.
Mit deutlich weniger Erfurcht setzten wir unseren Rundgang fort.Wieder im Foyer
angekommen, war das Gästebuch leider nicht auffindbar. Die Suche nach einer
anderen Möglichkeit, unseren Vorschlag anzubringen, führt uns zum Kummerkasten
in der Touristeninformation. Diesen fütterten wir mit einem langen Brief an
den Stadtdirektor, das Goethehaus künftig besser auszuleuchten. Ob es was
genützt hat, darüber ließ man uns bis heute im Dunkeln.